Info der Redaktion

Liebe FreundInnen, GenossInnen und Interessierte,

Die offizielle Delegationsreise ist am 28. März zu Ende gegangen und die FreundInnen der YXK sind soweit es zu beurteilen ist, gut und wohlauf wieder in der BRD angekommen. Nun gilt es für uns die unzähligen Eindrücke zu verarbeiten. Jede*r von uns hat viel gesehen und erlebt, dass es nun reflektieren gilt um anschließend in Form von Vorträgen im Bundesgebiet über die Lage Kurdistans, den Widerstand und die Perspektiven jenes zu informieren. Die Termine werden wir im Laufe des nächsten Monats sammeln und, unter Anderem, an dieser Stelle bekannt geben.Wie zu sehen ist, hat die Berichterstattung nicht immer einwandfrei funktioniert. Sei es nun des fehlenden Internets, Technikproblemen oder der fehlenden Zeit geschuldet, einige Berichte werden eventuell noch in den nächsten Tagen/Wochen veröffentlicht werden. Auch sind einige Freunde noch eine Weile in Kurdistan unterwegs und werden, nach Möglichkeit, auch davon berichten. Verbreitet auch deshalb diesen Blog gerne weiterhin. Weiter ist ein Ausbau dieses Blogs in Planung. Jener wird zusammen mit der Masse an sonstigem Material, welches wir sammelten, als Grundlage für eine Broschüre dienen, welche wir in den nächsten Monaten erarbeiten werden und welche über die YXK erscheinen wird.

Mit solidarischen Grüßen,

die Redaktion

[Route „Suruç“] Refugee Support (Suruç)

Bei der Ankunft im kommunalen Kulturzentrum „Amara“ wird schnell klar, welche Bedeutung der Grenzort bei der medialen Berichterstattung hatte – und noch immer hat. Täglich stranden hier Journalist*innen und andere Besucher*innen, meist um über die „grüne Grenze“, also illegal, über die türkisch-syrische Grenze nach Kobanê zu gelangen. Auch wir wollten, nach Kobanê gehen. Einerseits, um sich persönlich einen Eindruck über die prekäre Situation vor Ort zu verschaffen, andererseits um finanzielle Spenden und Güter übergeben zu können. Bei der Kommunikation mit den Freund*innen in Rojava wurde uns jedoch deutlich mitgeteilt, dass die kontinuierlichen Besuche insbesondere von Journalist*innen ein Problem darstellen.
Diese erwecken oft den Eindruck von Kriegstourist*innen zur eigenen Profelierung ohne ernste Absichten einer kontinuierlichen Arbeit zum Thema. Die praktische Unterstützung der Geflüchteten in den zahlreichen Refugee Camps in der Türkei sowie der konkrete Aufbau der Stadt bleibt meist auf der Strecke bzw. erschöpfte sich in leeren Versprechungen. Weiterlesen

[Route „Suruç“] Solidarität mit Rojava! (Suruç)

Am 24.03. brachen wir in Richtung Suruç auf. Der Ort mit offiziell mehr als 100.000 Einwohner*innen, sechs Kilometer von der Grenze zu Rojava und damit zu Kobanê entfernt, erlebte seit den Angriffen der Mörderbanden des IS („Islamischer Staat“) auf die syrische Grenzstadt, einen großen Strom von Geflüchteten. Vor allem durch die zahlreichen staatlichen und kommunalen Flüchtlingscamps ist diese Kriegstragödie allgegenwärtig und offensichtlich.

Vor diesem Hintergrund trafen wir uns mit dem lokalen Rojava-Solidaritätsverein und drei Vertreter*innen, welche zugleich auch in der Kommune als Politiker*innen tätig sind.
Die Lage in der Stadt war vor allem zu Beginn der Angriffe des IS prekär. Mehr als 126.000 Personen ließen sich nach der Überquerung der syrisch-türkischen Grenze in der Stadt und im Umland nieder. Weiterlesen

[Route „Bôtan“] Fahrt ins Ungewisse (Cizîr – Şirnex – Gever – Şirnex)

Am Dienstag, den 24. März, verließen wir schließlich Cizîr in Richtung Gever (Yüksekova), nicht jedoch ohne vorher noch zwei Arbeitskooperativen besucht zu haben. Eine war ein Kebabimbiss, die andere eine Konditorei.
Hier zeigte sich eine weitere Facette der kurdischen Freiheitsbewegung; die Kollektivierung des wirtschaftlichen Lebens. Der Aufbau einer solchen Kooperative wird durch Gelder aus der Bevölkerung finanziert. Ebendiese entscheidet auch über die Rätestruktur ob, wo und was für Einrichtungen benötigt werden. Der Kebabimbiss, welcher Arbeit für drei Menschen schafft, bietet günstiges Essen an, was gerade von Kindern aus der finanziell schlechter gestellten Bevölkerung genutzt wird. Einer der Mitarbeiter erzählte uns, dass sie sogar, für Menschen die gar kein Geld haben, Mahlzeiten umsonst herausgeben. Die Kooperativen arbeiten auch untereinander zusammen und ergänzen sich so. Zum Beispiel bekommt der Imbiss umsonst Brot von der Bäckerei weshalb die Mitarbeiter_innen dieser nicht für ihr Essen bezahlen müssen. Es gibt auch schon weitere Pläne für die nächsten Einrichtungen. Weiterlesen

[Route „Suruç“] „Freie Uni, Freies Land, Freier Vorsitzender“ (Riha)

Am Montag, den 23.03.2015, besuchten wir in der eher konservativ geprägten Stadt Riha (Urfa) den Studierendenverein Höder, welcher Teil der Föderation demokratischer Studierendenvereine (DÖDF) in der Türkei ist. Ansetzend daran, wie schon bei der kurdischen Grundschule in Amed, dass Wissen kein Monopol des Staates sein darf, ging es auch hier um die Selbstorganisation der Studierenden. An der Universität selbst Aktivitäten vorzunehmen ist beinahe unmöglich. Das Rektorat wird zentralistisch von Ankara eingesetzt und geht dementsprechend repressiv gegen „unbequeme“ Studierende vor. Weiterlesen

[Route „Bôtan“] Vereine (Cizîr)

Am Morgen des 23. März sind wir in der DBP Zentrale zusammen gekommen. Hier haben wir uns über den Tagesplan verständigt. Auf dem Programm stand der Besuch eines Kulturvereins für Frauen, eines Vereins für Menschen, die vom Dorf in die Stadt umgezogen sind, Sightseeing und der Besuch einer weiteren Newrozfeierlichkeit in den Bergen.
Mit den Bussen starteten wir zum Kulturverein für Frauen. Beim Betreten des Raumes ist uns aufgefallen, dass die Wände lila gestrichen waren und neben Vogelgezwitscher ein Fernseher in der Ecke mit lauter Musik den Raum füllte. Außerdem gab es Plakate an der Wand (zum Beispiel mit dem Slogan: Demokratik/ Özgür Yasmin/ Öncu Gücü/ Genc kadinlardir [Die vorderste Kraft der gelebten Demokratie, ist die der jungen Frau]. Weiterlesen

[Route „Suruç“] (Amed – Dêrika Çiyayê Mazî – Merdin)

Auf dem Weg nach Merdin (Mardin) machten wir am 22.03.2015 einen kurzen Zwischenstop in dem geschichtsträchtigen Ort Dêrika Çiyayê Mazî (Derik). Dieser Ort hat insgesamt ca. 65.000 Einwohner*innen. Diese sind verteilt auf ca. 20.000 in der Altstadt an einem Berg und weitere ca. 45.000 in den umliegenden Dörfern. Bis in die 1960er/70er Jahre hat die armenische Bevölkerung einen nicht unerhbelichen Teil des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens in der Gemeinde ausgemacht. Viele Armenier*innen haben die Region durch die Bewirtschaftung der Weinberge, u.a. zur Wein- und Sirupgewinnung sowie den Anbau von Olivenbäumen geprägt. Die Derik-Olive ist bis heute eines der bekanntesten Produkte der Gegend und stellt selbst für die in aller Welt lebenden Kurd*innen und Armenier*innen eine Besonderheit und Verbundenheit mit der Region dar. Im Herbst, nach der Ernte der Olive, werden diese in der Stadt und in die umliegenden Dörfer verteilt.
Weiterhin war die armenische Bevölkerung im handwerklichen Bereich vertreten, z.B. durch Schuhmachereien, aber auch im kulturellen Bereich: So betrieben bis vor ca. 30 Jahren Armenier*innen das einzige Kino in der gesamten Region.
Auch die armenische Bevölkerung in Derik blieb vom Genozid 1915 im Osmanischen Reich nicht verschont, wobei sich die Diskriminierung, forciert durch den türkischen Staat, bis vor ca. 30 Jahren fortsetze. Heute leben noch genau zwei Armenier*innen in Derik. Weiterlesen

[Route „Bôtan“] Beginn der Delegationsrouten – Jugend wehrt sich! (Cizîr)

Nachdem wir heute, am Sonntag den 22. März, ein erstes Reflektionsplenum im „Ari“ abgehalten hatten, teilten wir uns in unsere Delegationsrouten, derer wir drei sind, ein. Wir fuhren mit knapp 30 Freund_innen mit dem Bus über Merdin (Mardin), wo wir einen kurzen Abstecher in ein Museum vornahmen und die fabelhafte Aussicht über die Ebene, welche sich bis Syrien erstreckt, genossen, nach Cizîr (Cizre). Dort angekommen bekamen wir die Möglichkeit in der Zentrale der HDP mit deren Vorsitzenden und gewählten Bürgermeisterin Cizîrs Leyla Imret zu sprechen und uns über die politische Lage, soziale Projekte wie Frauen- und Jugendkooperativen nach dem Vorbild der ökonomischen Autonomie und die Repression, mit der die Bewegung in der Region umzugehen hat, zu unterhalten. Sie berichtete unter anderem von sieben Jugendlichen, die in den Ende letzten Jahres innerhalb von sieben Tagen von den staatlichen Repressionsorganen auf Demonstrationen gegen die Belagerung Kobanês ermordet wurden. Weiterlesen

Newrozfeier (Lîce)

Freitag 20. März:

In der Nacht wurden, wie bei den Freunden in den Bergen üblich Nachtwachen zu je einer Stunde eingeteil, was uns noch mehr das Gefühl gab, voll eingebunden zu sein. Der Weckruf um sechs Uhr machte unserem Schlaf ein jähes Ende. Wir begannen den Tag mit einem Frühstück am Feuer unter freiem Himmel.

Einige Teilnehmer_innen nutzten den Vormittag für den lebhaften und bereichernden Austausch mit einer politischen Aktivistin aus der Jugendbewegung. Zahlreiche Themen wurden angeschnitten. Es begann mit den Unterschieden zwischen der Bewegung in Kurdistan und der radikalen Linken in Deutschland ging über zur Entfremdung durch den Kapitalismus und endete in einer Diskussion über Demokratisierung aller Gesellschaftsbereiche.

Anschließend trafen wir noch weitere Freund_innen aus der Region Weiterlesen

Wie das herrschende Bildungssystem überwinden? (Amed)

Am Freitag, den 20.03.2015, durften wir die erste kurdische Grundschule besuchen, welche erst vor ca. 6 Monaten eröffnet wurde. Wenn vom Konzept der demokratischen Autonomie bzw. des demokratischen Konföderalismus gesprochen wird, bedeutet dies auch, Einrichtungen bereitzustellen, welche die herrschende Bildungspolitik mitsamt ihrem Geschlechterstereotypen und anderen herrschaftslogik-reproduzierenden Inhalten in Frage stellt.
Als Alternative organisiert die Befreiungsbewegung drei Pilotprojekte in Gever, Amed und Cizîr. Ziel ist die Schaffung von basisorganisierten Insitutionen gegen eine (türkische) Schulpolitik der Unterdrückung und Assimilation. Die Errichtung eines Bildungssystems des politischen Widerstandes. Das Selbstorganisierung dabei nicht nur eine bloße Phrase ist, konnten wir dabei erleben. Weiterlesen