Weitere unbegründete Abschiebung von Teilnehmer*innen der Newroz-Delegation

Ein Aktivist, der aus Deutschland zum kurdischen Newroz-Fest nach Diyarbakir (Amed) reisen wollte, wurde von der türkischen Polizei abgefangen und ausgewiesen – ein Gedächtnisprotokoll.

Am 20.03. machte ich mich auf die Reise um über Antalya nach Amed (Diyarbakır) zu fliegen und an der diesjährigen Newroz-Delegation, organisiert von YXK (Verband der Studierenden aus Kurdistan/ http://newrozbeobachtung2016.blogsport.de/) teilzunehmen. Da bereits vier Aktivist*innen über die Repression der türkischen Polizei und ihre Abschiebung berichtet haben, gehe ich im Folgenden vor allem auf die Unterschiede zwischen den Vorfällen ein (http://lowerclassmag.com/2016/03/3234/).

Im Gegensatz zur Gruppe, die vier Tage vor mir flog, wurde ich nicht gleich bei der Einreise herausgegriffen, sondern kam zunächst unbehelligt durch die Passkontrolle und konnte das internationale Terminal verlassen und mich frei zum Terminal für Inlandsflüge begeben. Als ich dort mein Gepäck aufgeben wollte, zögerte die Person am Schalter länger und kurze Zeit später kam ein Zivil-Polizist mit einer Dolmetscherin zu mir. Nachdem ich kurz befragt wurde, geleiteten die Beiden mich in einen Raum. Es begann ein 3-4-stündiges Verhör. Ich wurde nach dem Grund meiner Reise, was ich über die Situation in Diyarbakır wisse , nach Kontakten in Diyarbakır, nach türkischen oder kurdischen Kontakten in Deutschland von unterschiedlichen Personen befragt. Da ich wusste, wie es den anderen Freund*innen ergangen ist, behauptete ich über die ganze Gefangennahme hinweg, dass ich Student sei, der die Newroz-Feierlichkeiten wissenschaftlich untersuchen wolle.

Das Verhör und die Fragen wiederholten sich andauernd. Nach einer Stunde wurde mein Gepäck und ich durchsucht. Jedoch musste ich mich nicht, wie die anderen Freund*innen, ausziehen . Bei mir wurden Reisedokumente sowie ein Handy gefunden. Von allen Dokumenten, z.B. meinem Pass, machten unterschiedlichste Menschen (min. 6 Personen) Fotos mit ihren Smartphones – ich protestierte dagegen. Daraufhin erwiderten die Personen, dass sie das machen müssten. Außerdem wurde mein Handy untersucht und alle Telefonnummern ausgelesen und aufgeschrieben. Dabei wurde auch eine türkische Nummer gefunden und ich behauptete auf Nachfrage, dass sich diese Person in Deutschland befände. Nach ca. drei Stunden wurde mir erklärt, dass ich zu meiner eigenen Sicherheit nach Deutschland abgeschoben werde. Die Polizei stellten mir zur Wahl nach Köln, Hannover oder Nürnberg zu fliegen. Ich protestierte dagegen und meinte, dass ich selbst für meine Sicherheit verantwortlich sei. Sie meinten, dass sie dafür zuständig seien und dass ich mit der deutschen Polizei auch nicht so reden dürfe. Die wiederholten Nachfragen meinerseits, telefonieren zu können oder einen Anwalt sprechen zu dürfen, wurden einfach übergangen. Insgesamt wurde die Stimmung aggressiver. Zwischenzeitlich erklärte mir ein anderer Übersetzer der Fluggesellschaft, dass sich „sein Land“ in einer schwierigen Situation befände und ich gern in ein oder zwei Jahren wiederkommen könne.

Nach längerer Diskussion willigte ich ein, nach Hannover abgeschoben zu werden, da ich wusste, dass bei der anderen Gruppe der rechtliche Weg, auch über die Botschaft nur zu einer Verlängerung in Abschiebegewahrsam geführt hatte. Nach der Einwilligung wurde mir auf meine Bitte mein Handy zurückgegeben, womit ich sofort Personen in Deutschland über meine Situation informierte. Dann wurde ich in die Räume der Abschiebehaft transportiert, in denen eine weitere Befragung begann. Ich sollte beantworten, ob ich nach Syrien wolle, Kontakt zu terroristischen Gruppen hätte oder solche kennen würde. Nach einer Weile wurde ich in einen Raum mit vier Betten gebracht, in dem die ganze Zeit das Licht brannte und der videoüberwacht war. Ein Mitgefangener berichtete mir, dass er sich schon zwei Tage nur in diesem Raum befand und wahrscheinlich noch 5 weitere Tage warten müsse. Immer wieder kamen Menschen in den Raum und fragten mich, warum ich nach Diyarbakır wollte. Ein Mitarbeiter des Flughafens erläuterte mir, dass es dort gefährlich sei und meinte, dass er vor vier Tagen vier „sehr gefährliche, junge Terroristen aus Deutschland“ festgenommen hätte und zeigte mir Fotos von den Pässen der vier Freund*innen, die vier Tage zuvor abgeschoben wurden, auf seinem Smartphone.

Nach einer Phase des Wartens änderte sich die Stimmung schlagartig. Der Mitarbeiter mit dem Smartphone und weitere Männer kamen in das Zimmer und brüllten mich auf Türkisch an. Ich versicherte auf Englisch, dass ich kein Türkisch sprechen könne. Doch sie schrien mich weiter an und beleidigten mich. Der Mitgefangene, der etwas Türkisch sprach, wollte intervenieren, wurde aber sehr grob abgewürgt. Nach einer Zeit verließen die Männer den Raum. Ab diesen Zeitpunkt sprachen mich die Personen nur noch auf Türkisch an, ich bekam kein Wasser mehr ausgehändigt (was zuvor der Fall war) und wurde wiederholt angebrüllt. Kurz bevor mein Flug starten sollte und ich nur noch aus dem Raum raus wollte (in dem ich mich nur ca. 4 Stunden befand), verlangten der Mitarbeiter meine Handynummer in Deutschland (nach einer Zeit auch auf Englisch). Ich wollte ihm die Nummer nicht geben und er erklärte mir, dass ich ohne diese Angabe nicht abgeschoben werden würde. Daraufhin gab ich innen eine falsche Nummer, die ich drei Mal bestätigen musste.

Dann wurde ich zum Flugzeug begleitet und mein Pass dem Bord-Personal ausgehändigt. Bei der Ankunft erwartete mich ein deutscher Polizist, der mich aber nach einem kurzen Telefonat und nach einem kurzen Bericht meiner Studi-Geschichte ohne Kontrolle passieren ließ. Er meinte noch, dass von türkischer Seite keine Gründe für die Abschiebung angegeben wurden.

Meine Abschiebung reiht sich ein, in die lange Kette von Repression gegen (Menschenrechts-)Delegationen und Journalist*innen, die über die Krisensituation in Bakur (Nordkurdistan) berichten wollen. Allein bei unserer Delegation wurden bisher, ohne Angaben von Gründen, insgesamt fünf Personen die Einreise in die Türkei verweigert und vier Personen im Amed festgenommen, geschlagen und bespuckt (http://civaka-azad.org/vier-teilnehmer-der-newroz-delegation-der-yxk-in-diyarbakir-festgenommen/). Der türkische Staat will damit verhindern, dass ausländische Personen über die Gewalt, die Repression und die Massaker in Cizîr, Sûr und jetzt in Gever berichten. Davon werden wir uns nicht einschüchtern lassen! Der Kampf gegen das AKP-Regime und für eine demokratische Autonomie und Selbstverwaltung geht weiter!

Besuch in der aramäischen Kirche in Mêrdîn (Mardin)

Heute besuchten wir die aramäische Kirche in Mêrdîn (Mardin). Das Gebäude stammt aus dem 4. Jahrhundert, wurde mehrfach über die Jahrhunderte renoviert und ausgebaut und wird täglich von Gläubigen zum Gebet genutzt.
Da die türkische Regierung lediglich staatsnahe Moscheen unterstützt, finanzieren 85 Familien und eine Stiftung die Kirche allein, allerdings ist die aramäische Gemeinde auch im Volksrat mit vertreten.
Kontakt zu nicht-aramäischen Gemeinden besteht nicht, lediglich an Universitäten werden vereinzelt Dialoge zwischen den Menschen verschiedener Glaubensrichtungen geführt. Mit muslimischen Gemeinden ist das Verhältnis sehr schwierig, erfahren wir.
Einer der Gemeindevorsteher ist Vertreter im Volksrat. Zu seinen Aufgaben gehört, nach seiner Aussage die Verständigung zwischen den Völkern und Hilfe für die Gebiete um Cizîr (Cizre) und Nîsebîn (Nusaybin), die nach der Ausrufung der Autonomie unter permanenten Angriffen durch den türkischen Staat leiden.
Die Gemeinde begleitet weiterhin aramäische Delegationen nach Mêrdîn (Mardin), welche aus der gesamten Diaspora kommen. Da in den Familien der Gemeinde mehrheitlich arabisch gesprochen wird und auch in den Schulen nicht in aramäisch unterrichtet wird, finden bei Sommerakademien Kurse für Kinder statt. Zwar kann seit einigen Jahren Aramäisch an einigen Universitäten studiert werden, doch finden die Vorlesungen nur auf türkisch statt.
Mittlerweile kehren vermehrt Arämer*innen aus der 2. und 3. Generation aus der Diaspora zurück. Über den Rechtsweg versuchen diese ihre Häuser und Felder wieder zu erhalten, da sie auf der Flucht vor dem türkischen Staat enteignet wurden. Die Gemeinde ist optimistisch dass diese Gerichtsverfahren, auch auf europäischen Druck hin, positiv für die Kläger ausgehen.

Newroz in Amed – Nicht die Zeit zu trauern, sondern zu kämpfen.

Spätestens seit Beginn der 90er Jahre und dem Wiedererstarken der kurdischen Bewegung wurde auch das Newrozfest politisch neu besetzt. Rückgehend auf die Mythologie der brennenden Festung von Dehok steht das Entzünden des Newroz-Feuers als Symbol fuer die Befreiung von jeglicher Gewaltherrschaft. Nach den letzten Jahren des Friedensprozesses stand dieses Newroz wieder unter repressiven Vorzeichen…

Die Nacht vor Newroz verbrachten wir gemeinsam mit vielen Genoss*innen aus ganz Kurdistan. Es wurde gemeinschaftlich in einer großen Halle getanzt, sich ausgetauscht und geschlafen.

Während des Abends fand ein großes Plenum statt, in dem auch wir uns vorstellten. Wir sagten, dass wir die Kämpfe um Befreiung und um ein herrschaftsfreies Leben, als gemeinsame Kämpfe begreifen. Weiterhin wollen wir Solidarität zeigen und an den Newrozfeierlichkeiten teilhaben. Außerdem möchten wir von der Lage in Nordkurdistan berichten und noch viel von der Bewegung vor Ort lernen.

Die Reaktion der Freund*innen war eine sehr kraftvolle und motivierende. Sie sagten, es gebe ihnen Kraft, wenn selbst in dieser schweren Zeit internationale Freund*innen hierher kommen und sie glauben, dass ihre Ideen weiterhin bestehen und funktionieren können. Es sei nicht die Zeit zu trauern, sondern zu kämpfen. Anschließend lasen sie den Aufruf der Jugend und die Zusammenfassung der Briefe seit 2003 von Abdulah Öcalan zu Newroz vor.

Mit den Freund*innen, mit denen wir die Nacht zusammen verbracht haben, gingen wir am nächsten Morgen auf die Straße. Jedes Jahr führt eine Jugenddemo zu den Newrozfeierlichkeiten, so auch dieses. Auf der Demonstration begleiteten uns nach kurzer Zeit mehrere Acrips (gepanzerte Polizeifahrzeuge) und versuchten zu provozieren, indem sie mehrmals in die Demo hinein fuhren. Die Demo ließ sich nicht provozieren und lief lautstark weiter. Viele vorbeifahrende Busse hatten Newroz pîroz be (Fröhliches Newroz) auf den Anzeigen stehen, Autos hupten und aus allen Häusern kamen Solidaritätsbekundungen, selbst von den Kleinsten an den Fenstern.

Kurz vor dem Festivalgelände erwartete uns ein martialisches Polizeiaufgebot, das eindeutig zur Einschüchterung und Verhinderung der Feierlichkeiten dienen sollte. Es ist absolut klar was der türkische Staat damit bezwecken wollte. Er möchte wieder einmal mit Gewalt Menschen an Auslebung ihrer Kultur hindern. Die Feier in Amed war eine der wenigen erlaubten. Trotzdem wurde uns berichtet, dass ca. 40 000 Menschen, die aus ganz Kurdistan mit Zügen oder Autos angereist waren, zurück geschickt wurden.

Das Festivalgelände wurde aus Sicherheitsgründen, schon zwei Wochen vor Newroz von Genoss*innen aus ganz Bakur gesichert und eingezäunt worden. Es gab weder Stände noch Mülleimer und überall standen Genoss*innen, die das Gelände sicherten, um das Risiko eines weiteren Anschlages zu minimieren.

Auf dem Weg zu dem Fest, hatte die Polizei im Abstand von wenigen hundert Metern, zwei Kontrollschleusen errichtet. Absolut willkürlich wurden bei den Kontrollschleusen für Frauen* (zum Teil von männlichen Polizisten) völlig legale Tücher abgenommen. Selbst das Beiführen eines Verbandskastens hat zu mehrfacher Kontrolle durch Polizisten geführt. Bei der Kontrolle der Männer* eskalierte, ohne ersichtlichen Grund, die Situation. Mit Schlagstöcken wurden umstehende Personen durch die Schleuse getrieben, Akreps und Wasserwerfer wurden aufgefahren.

Auf dem Fest angekommen, füllte sich langsam das Gelände, bis sich ca. eine Million Menschen einfanden. Viele tanzten und sangen zusammen, egal ob mensch sich kannte oder nicht. Es wurden viele Reden auf der Bühne gehalten von Gülten Kisanak, Sirri Süreya Önder, Selahatt in Demirtas und vielen anderen. Beeindruckend war der freundliche Umgang und Austausch zwischen den Menschen und die euphorische Stimmung. Anders als auf politisch, kulturellen Veranstaltungen in Deutschland, trinkt dort niemand Alkohol und alle sind rücksichtsvoll miteinander.

Als das Newrozfeuer entzündet wurde, standen alle Menschen auf und sangen gemeinsam Cerxa Sorese (Der Lauf der Revolution). Manche warfen Kleidungsstücke ins Feuer, mit dem Gedanken, dass wenn etwas altes verbrennt, etwas neues entstehen kann. Mehrmals lief die Jugend lautstark, kraftvoll, mit vielen Fahnen durch die Menge und wurden von allen Besucher*innen bejubelt.

Als sich das Newrozfest langsam leerte, wurde die letzte Besucher*innengruppen, bei dem Verlassen des Geländes von der Polizei mit Tränengasgranaten angegriffen.

Trotz Anschlagsgefahr und der permanenten Repression, ließen sich die Menschen nicht einschüchtern. Auch dieses Jahr wurde von der kurdischen Bewegung wieder gezeigt, dass egal was der türkische Staat auch tut, er der Bewegung die Kraft nicht nehmen kann.

Newroz pîroz be!

Zu Gast in einem Staat, der die Menschlichkeit meuchelt

Kein denkender Mensch kann behaupten, in der Türkei würden die Menschenrechte eingehalten. Diese Entwicklung ist keineswegs neu. Entsprechend hat es sich der Verein Insan Haklari Derneĝi (IHD) zur Aufgabe gemacht eine unabhängige Beobachtung und Dokumentation der Lage sicherzustellen. Wir danken den Freund*innen der Niederlassung in Amed (Diyarbakir), dass sie sich die Zeit genommen haben, uns ihre Arbeit vorzustellen.

Seit 30 Jahren sammelt der Verein, der der erste seine Art im Land war, Informationen zu Menschenrechtsverletzungen in der Türkei und publiziert regelmäßig Berichte in gedruckter Form und auf seiner Homepage dazu, um eine Öffentlichkeit dafür zu schaffen. Alle diese Informationen werden archiviert, damit sie langfristig nachvollziehbar sind. Aufklärungsarbeit über eigene Rechte ist ein weiteres Arbeitsfeld der Organisation. Diese Arbeit ist keineswegs ungefährlich, vielfach werden die Mitarbeiter*innen bedroht, inhaftiert, gefoltert und erhalten sogar Morddrohungen. In den 1990er Jahren wurden 30 Angestellte des Vereins ermordet. Schon diese Reaktionen sind ein Zeichen dafür, welch notwendige und richtige Arbeit dort geleistet wird.

In jüngster Zeit beobachtet der IHD eine weitere Verschlechterung der Menschenrechtslage in der Türkei. Gleichzeitig hat sich der staatliche Umgang damit verändert. Während die Repression, Folterungen und Morde in den 1990ern eher vertuscht wurden, werden sie inzwischen öffentlichkeitswirksam dargestellt, um darüber mögliche Aktivist*innen abzuschrecken und einzuschüchtern. So wurden die Leichen von Kämpfer*innen geschändet, indem ihnen die Ohren abgeschnitten, die Körper zerstückelt oder verbrannt und auf den Straßen abgeladen wurden. Dieser perfide Umgang ist nicht nur eine enorme Belastung und Demütigung für die Angehörigen der Gefallenen, sondern auch ein starkes Instrument zur Verunsicherung und Unterdrückung möglichen Widerstandes gegen das System.

Wie zu erwarten läuft die (juristische) Aufarbeitung solcher Taten oberflächlich und eher pro forma ab. Von der früheren Antiterroreinheit JITEM wurden gegen Einzelne zwar bisher Verfahren, jedoch wurden sie als Bandenmitglieder, nicht jedoch als Staatsbedienstete behandelt. Noch dazu lassen sich die Verfahren an einer Hand abzählen. Eine verantwortungsvolle Auseinandersetzung sieht anders aus.

Augenblicklich beschäftigt den Verein vor allem die Aufarbeitung und Bewertung der Massaker in Cizîr (Cizre) und Gever (Yüksekova). In Cizîr wurden etwa 40 Menschen über mehrere Tage in einem Keller eingesperrt, beschossen und als Höhepunkt ihrer Tortur bei lebendigem Leib verbrannt. Kurz bevor wir den Verein besuchen durften wurden 30 Bewohner*innen der Stadt Gever mittels Giftgas umgebracht. Diese nur beispielhaften Fälle zeigen, dass der türkische Staat auch vor Mord nicht halt macht. Dass diese Geschehnisse publik wurden ist jedoch keine Selbstverständlichkeit. In vielen Städten und Stadtteilen wurden in der jüngsten Zeit Ausgangssperren verhängt, wie etwa in Sur, einem Bezirk von Amed.

Doch eine Achtung der Menschenrechte kann der IHD alleine nicht erreichen. Es bedarf internationaler Aufmerksamkeit und Drucks, damit sich etwas ändert. Internationale Vernetzung ist daher das A und O der Arbeit, so bestehen Vernetzungen mit mehreren europäischen Organisationen.

Zusätzlich ist der IHD schon mehrfach vor den europäischen Gerichtshof gezogen um gegen den türkischen Staat vorzugehen, doch zumeist ohne Erfolg. In den meisten Fällen wurden die Vorwürfe abgewiesen.

Nichtsdestotrotz geht die Arbeit weiter. Die Mitarbeiter*innen gaben uns folgenden Satz mit auf den Weg: Unser Kampf für Menschenrechte ist ein Naturgesetz.

Rojava-Soli-Verein

Krieg, um die Kurd*innen zu ersticken

Gegründet wurde der Rojava-Soli-Verein (Rojava Yardemlaşma ve Dayneşma Derneği) 2014 nach den Angriffen durch den sogenannten Islamischen Staat auf Şhengal und der daraus resultierenden Vertreibung der Êzîd*innen. Bedingt durch die aktuellen Angriffe des türkischen Staates liegt der Fokus zur Zeit wieder mehr auf Nordkurdistan. Der Verein betreibt neben dem Büro in Amed noch zehn weitere in der gesamten Türkei bzw. Nordkurdistan. Die Institution setzt sich aus mehreren Initiativen, wie beispielsweise dem DTK zusammen. Für Geflüchtete aus Nord- und West-Kurdistan ist diese die erste Anlaufstelle. Zur Zeit befinden sich ca. 128.000 Geflüchtete aus ganz Rojava in Amed. Zu den Hauptaufgaben des Vereins gehören u.a. die Vermittlung von Wohnungen in Amed und anderen Städten, in welchen sich ebenfalls noch weitere 35.000 Geflüchtete befinden. Weiterhin beteiligt sich der Verein an der Koordination von Flüchtlingscamps in und um Amed. Diese definieren sich jedoch nicht als solche, sondern als Ort des gemeinsamen Lebens, an denen das Prinzip der demokratischen Autonomie gelebt wird. Dies bedeutet, dass es auch hier Rätestrukturen gibt, welche das Leben herrschaftsfrei koordinieren.

Unsere Kraft ist die Kraft des Volkes

Für die Einwohner*innen ist es eine Selbstverständlichkeit die Geflüchteten aufzunehmen und zu unterstützen. So wird versucht ihnen Wohnungen zu günstigeren Mieten zur Verfügung zu stellen. Auβerdem wird, wenn möglich einem Familienmitglied Arbeit vermittelt, um die Verwandten versorgen zu können. Wenn dies nicht möglich ist, unterstützt die Nachbarschaft diese unter anderem in Form von Spenden. Eine Rückkehr nach Kobanê wird ebenfalls durch den Verein ermöglicht, wie auch die Versorgung in der Stadt Kobanê selbst. Wobei dies durch das Embargo seitens der Türkei die Versorgung der autonomen Region Westkurdistans (Nordsyrien) besonders erschwert. Durch diese strengen Kontrollen, werden überhaupt nur wenige Hilfsgüter an der Grenze durchgelassen sodass der groβteil der Nahrungsmitter dort dann verdirbt. Besonders makaber daran ist, dass die AKP-Regierung lediglich drei Laster mit Hilfsguetern bereit stellte. Der Verein hingegen organisierte 2.000 Lastwagen, welche die türkische Regierung in der Öffentlichkeit für sich verbuchte. Stattdessen ermöglichte er IS-Kämpfern den Grenzübertritt nach Westkurdistan.

Der Staat hilft nicht – er mordet!

Die repressive Lage in Nordkurdistan unterscheidet sich kaum zu der in Syrien, zu der der Rest der Weltöffentlichkeit schweigt. Die Ausgangssperre und der Beschuss führte auch in Amed allein in einer Straβe dazu, dass 30.000 zu Gefluechteten wurden. Aufgrund der Witterungen zu Beginn des Jahres verschlechterten sich die Bedingungen noch mehr, daher waren vor allem Sachspenden wie Jacken und Decken unverzichtbar.

Der Staat ist dabei erwartungsgemäβ keine Hilfe. Er verweigerte die Lieferung von wichtigen Nahrungsmitteln in die gesperrten Gebieten, wie Sûr. Wie uns der Soliverein berichtete, kam es durch die mangelnde Versorgung zu Unterernaehrung von Kleinkindern.

Auch die Versuche einer Übergabe von Lebensmitteln wurden durch Polizei und Militär verhindert. So bleibt der Verein von Repression nicht verschont: Mitglieder des Vereins wurden mitunter verhaftet und gefoltert.

Wie wir ebenfalls erfuhren, fand am 19. Maerz erst in Gever (yueksekova) ein Giftgasangriff mit mehr als 40 Toten statt.

Türkischer Staat setzt chemische Waffen in Gever (Yüksekkova) an: Mindestens 40 Tote

Eindruecke aus Farqin / Silvan

Heute sind wir in Farqin / Silvan: Diese Stadt ist die erste gewesen, in der die demokratische Autonomie konsequent gelebt wird. Hier hat die HDP 92 Prozent beiu der letzten Wahl erreicht. Die Stadt wurde vom 3. bis zum 14. Januar 2016 massiv vom tuerkischen Staat angegriffen und belagert. Das Gebiet wurde bombardiert und von Bodentruppe verwuestet. Als wir durch die engen Strassen laufen, sehen wir viele ausgebrannte Haeuser mit teilweise eingestuerzten Fasaden. An jedem Wohnhaus sind viele Einschussloecher zu sehen, einige davon so gross, dass sie nur von schweren Geschuetzen kommen koennen.

Der Freund, der uns durch die Strassen fuehrte, berichtet uns, dass viele Menschen vom tuerkischen Militaer ermordet wurden. Allein in der einen Strasse wurden 18 Menschen erschossen, darunter viele Jugendliche und eine 87 jaehrige Frau. Selbst in ihren eigenen Haeusern waren die Menschen nicht sicher und starben im Kugelhagel, der durch die eigenen Hauswaende drang.

In der Strasse, die wir uns ansehen, hat die Bevoelkerung mit der Stadt zusammen ein kleines Cafe wiederaufgebaut, um wenigstens einen oeffentlichen Treffpunkt zu haben und so das Herz der Stadt wieder zum schlagen zu bringen.

Einige Meter weiter steht ein grosses Gebaeude, welches zuvor ein Gesundheitszentrum war. Hier hat sich das Militaer waehrend des Vernichtungskrieges einquaertiert. Von diesem Ort gab es Videos im Internet ueber das Verhalten der Soldaten. Sie standen hier, schossen wild um sich und riefen Allahu Akbar. Ein Verhalten, dass sehr stark an das von IS-Kaempfern erinnert.

Direkt daneben steht eine Moschee. Eine Trauerfeier eines Verstorbenen, die hier stattfand, hatte das Militaer angegriffen. Sie entrissen den Leichnam des Gestorbenen und ueberrollten ihn mit einem Panzer, dabei spielten sie laut IS-Musik.

Hinter uns erheben sich Huegel, dort positionierten sich Scharfschuetzen und schossen waehrend der Ausgangssperren auf die Bewohner*innen.

Auf die Hauserwaende der Stadt schrieb das Militaer faschistische Parolen wie Wer kein Tuerke ist, soll sich umbringen. Im gleichen Zuge wurden von den Soldaten Parloen des Widerstands uebestrichen und unkenntlich gemacht. Wer hier vermeintlich die Hoheit hat, soll damit ganz klar zum Ausdruck gebracht werden. Die Parolen des Militaers wurden von der Bevoelkerung zur Anzeige gebracht und ueberstrichen. Doch eine Reaktion darauf, vom sogenanten Rechtsstaat, ist nicht zu erwarten.

Die Menschen die die Moeglichkeit hatten, sind weiter gezogen jedoch sind die armen Menschen in ihre zerstoerten Haeuser zurueckgekehrt. Sie haben grosse Angst, denn die Gewalt des tuerkischen Staates ist willkuerlich und kann jederzeit wieder zuschlagen.

Waehrend der Angriffe, waren es vor allem die Jugendlichen zwischen 12 und 25 Jahren, die auf den Strassen kaempften und Widerstand leisteten. Sie verteidigten ihr Viertel und das autonom-demokratische Leben mit allen Mitteln. Der tuerkische Staat fuehrt einen Vernichtungskrieg gegen Menschen, die wirkliche Demokratie und Frauen*befreiung leben.

Dies merkten auch wir, durch die Panik der Polizei, als sie uns sahen uns sofort aktiv wurde, um zu verhindern, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Dazu mehr in einem anderen Artikel…

Repression in Silvan/Farqin

Mit dem Bus sind wir in die Stadt Silvan/Farqin gefahren und waren dort 20 min unterwegs.

In dieser Zeit ist folgendes passiert:

Wir wurden von dem Freund, der uns in der Stadt rumfuehrte, gewarnt, dass wenn wir gleich in eine bestimmte Straβe abbiegen, wir keine Fotos mehr machen duerfen. In diesem Augenblick fuhr ein Akrib (gepanzertes Polizeifahrzeug) auf uns zu und hielt neben uns. Die Polizisten sprachen uns an und fragten, wo wir wir her kommen. Als wir Deutschland sagten, antworterten sie mit: ”Ach seit ihr uns besuchen gekommen?!”

Die Polizisten fingen an zu funken und fuhren langsam weiter. Wir setzten unseren Weg fort. Der Akrib drehte und fuhr wieder funkend neben uns her. Wir bogen in eine Straβe ein, der Akrib fuhr an uns vorbei und hielt einige Meter weiter. Als wir dort angelangt waren, stiegen die Polizisten aus und fragten mehrfach eindringlich, was wir hier machen wuerden und wer die Verantwortlichen seien. Wir stellten uns als unabhaengige Student*innen vor. Die Polizisten funkten wieder und teilten uns mit, dass wir hier weg muessten. Wir liefen weiter, jedoch wurde der Freund, der uns herum fuehrte, von der Polizei zurueckgerufen. Sie stellten die absurde Forderung, dass wir einen richterlichen Beschluss braeuchten, um hier sein zu duerfen. Angesichts der angespannten Lage, baten wir unsere Busfahrer, die Busse zu holen. Als wir unseren Weg fortsetzten, kam ein Auto angebrettert. Offensichtliche Polizisten in Zivil stiegen aus und fingen an uns abzufilmen. In diesem Moment bekamen die Bullen Verstaerkung, so, dass wir nun von insgesamt vier gepanzerten Fahrzeugen und filmenden Zivilbullen umzingelt waren.Wir blieben stehen und mussten feststellen, dass aus den Akribs herraus, mit mindestens drei Maschinengewaehren, auf uns direkt gezielt wurde. Die Polizisten in Zivil boten uns scheinbar goennerhaft einen Ausweg und boten uns an, dass wir nicht weiter behelligt werden, sollten wir die Stadt jetzt verlassen. Um die Freund*innen vor Ort nicht weiter zu gefaehrden, kamen unsere Busse und wir stiegen ein. Beim heraus fahren aus der Stadt und auch noch auf der Landstraβe, wurden wir noch eine Weile verfolgt.

Erfahrungsbericht aus Amed

Die Situation in Amed ist brutal und unterdrueckend.

Der Widerstand ist Leidenschaft.

Wir moechten euch einen allgemeinen Ueberblick geben, wie wir die Situation und die Atmosphaere sehen.

Amed und die Umgebung ist ein schoener und lebhafter Ort. Schon vom Flugzeug aus konnten wir einen Blick auf das Umfeld erhaschen. Nachdem wir ueber schwarzbraune Berge flogen, auf deren Spitzen noch Schnee liegt, erreichten wir die Ebene um Amed. Hier sahen wir sattes gruen im Wechsel mit tiefbraunen Flaeschen. Dazwischen tauchen Steine und Felsbrocken auf, die in einer vulkanfaerbung ruhen.

Nachdem wir landeten, sammelten sich gerade tuerkische Soldaten fuer einen Einsatz und Kampfjets startetenn mit lautem donner vom selben Flughafen, um genau die Freund*innen zu toeten, die verbunden mit dieser Natur ein menschlisches Leben fuehren wollen.

In Amed selbst stehen viele Mietshochhaeuser mit vielen grossen Balkonen, die meistens um die Ecken angebaut sind. Breite offene Strassen, die auch mal ein Blick auf sattgruene Wiesen freigeben wechseln sich ab mit verwinkelten, geschuetzten Nebenstrassen. Einkaufsmeilen an der einen Ecke, Wohngebiete an der anderen Ecke. Wir fahren haeufig an Parks und ein- oder zweistoeckigen Gebaeuden vorbei, die in ihrer Quaderform Platz schaffen fuer Laeden oder Familien.

Die Menschen hier sind sehr freundlich und nah. Die Bevoelkerung ist Solidarisch und Verbunden. Sie wollen Leben. Sie wollen Menschlichkeit leben. Sie wollen eine solidarische partizipative Demokratie aufbauen, in der die Frau befreit ist.

Die Tuerkei unterdrueckt diese Bestrebung mit allen Mitteln der Repression und Gewalt. Die Menschen und Staedte hier in Kurdistan sind in Okupation.

Am ersten Tag machten wir uns einen Ueberblick zur Lage in Amed. Auf den Strassen fahren viele gepanzerte Polizeifahrzeuge, was gleich eine bedrohliche Praesenz erzeugt. Zu jeder Zeit koennen diese prolligen Fahrzeuge einen anhalten, was sie auch sehr oft tun. Bei uns bedeutet das lediglich unangenehme Situationen. Die Freund*innen vor Ort werden allerdings oft verhaftet.

Bei unserem Weg durch Amed sind wir an Baglar, dem vom tuerkischen Militaer besetzten Wohngebiet, vorbeigekommen. Hier sahen wir einen gruenen Park, der die Grenze darstellt zur Ausgangssperre. Durch die gesamte laenge des Parks sind Polizeiabsperrungen gespannt. Direkt dahinter sehen wir viele einsatzbereite Panzer auf der Strasse stehen.

Waehrend wir vorbeilaufen, sammelt sich an der Polizeiabsperrung eine kleine Menschenmenge. Sofort fahren gepanzerte Fahrzeuge heran und versuchen die Menschen zu vertreiben. Dabei laufen schwer bewaffnete Soldaten durch den Park. Der Anblick ist sehr bedrueckend. Viele Menschen wohnen in diesem Gebiet und muessen nun um ihr Leben fuerchten, weil sie erfolgreich eine wirkliche Demokratie und eine Frauenbefreiung aufbauen.

Wir versuchten daraufhin nach Sur hereinzukommen, dieser Stadtteil ist ebenfalls besetzt und von einer gewaltigen Mauer umschlossen. Alle Eingaenge sind mit Absperrungen umzaeunt, dahinter stehen gepanzerte Fahrzeuge und Wasserwerfer. Unsere Gruppe versuchte zwei mal hereinzukommen. An beiden stellen wurden wir von aggresiven Polizisten abgehalten, die in Zivil gekleidet waren, mit Schutzweste, Sturmhaube und Ak-47 im Anschlag.

Am Abend wurde ich – Schreiber* dieses Textes – zu einem Schlafplatz gefahren. Wir sind dabei an einem Viertel schicker Haeuser vorbeigekommen. Dieser Bereich ist mit meterhohen Metallplatten ummantelt, ueberall haengen grosse tuerkische Fahnen. Die Freunde sagten mir, hier wohnen die Angehoerigen der Polizei und des Militaers. Diese fuehren hier ein sicheres, geschuetztes Leben, getrennt von der Bevoelkerung. Dies zeigt so deutlich, dass der tuerkische Staat Kurdistan besetzt haelt und mit dem jetzigen Krieg zerstoeren will.

Waehrend der naechsten Tage hoeren wir immer wieder Schuesse durch die Stadt hallen. Auch wenn wir unsere Treffen haben, immer wieder Schuesse und Kampfjets, die ueber die Stadt donnern und auf dem Weg sind andere Stellen zu bombadieren. Besonders Abends bei unseren Schlafplaetzen hoeren wir den tuerkischen Vernichtungskrieg. So schaltet das Militaer an einem Abend den Strom ab, kurz darauf gibt es wieder viele Schuesse in der nahen Nachbarschaft.

Die Tage um Newroz herum gibt es immer wieder kleine Feiern auf der Strasse. Ein Feuer wird entzuendet, die Menschen tanzen drumherum. Es herrscht Befreiung und Leben. Es dauert keine 20 Minuten, schon kommt ein gepanzertes Fahrzeug und schiesst ohne Vorwarnung mit Traenengas in die Menge. Der tuerkische Staat will jede kleine Freiheit im Keim ersticken.

In unserer Gruppe herrscht dauerhaft eine Anspannung wegen der staendigen presaenz von Repression, obwohl wir im Unterschied zu den Freund*innen vor Ort sehr priviligiert sind. Wir versuchen nicht lange in einer grossen Gruppe draussen zu sein, denn so fallen wir zu sehr auf. Da ueberall Zivilpolizisten sind und mehrmals die Minute gepanzerte Fahrzeuge vorbeifahren, kann es immer passieren lange kontrolliert oder festgenommen zu werden. Was uns beides schon passiert ist – https://www.jungewelt.de/2016/03-23/005.php Selbst die Polizei traegt dabei immer AK-47 Maschinenpistolen in den Haenden.

Uns faellt auf, dass die Jugend fehlt und alle Jugendhaeuser leer sind. Wo sie sind?: Gerade die Jugend ist es, die in Sur, Cizre und ganz Kurdistan fuer Frauenbefreiung und autonome Demokratie kaempft, gegen die Okupation und den derzeitigen Faschismus des tuerkischen Staates.

Der Widerstand ist riesig. Die Menschen hier haben den Sinn erkannt, dass das wichtigste im Leben ist, die Befreiung der Frau und die Errichtung einer autonomen Demokratie voranzutreiben, in der jede*r direkt mitdiskutiert und -arbeitet und die nicht bedeutet nur ein Kreuzchen zu machen.

Die Verbundenheit und der Sinn in der Taetigkeit ist hier unter den Menschen gewaltig. Es ist faszinierend mit welcher Kraft die Menschen hier gegen die Grausamkeiten ankaempft. In Kurdistan geht es um die Verteidigung der Menschlichkeit. Auch Europa hat gerade einen Verfall der demokratischen Werte zu verzeichnen. Kurdistan ist weltweit einzigartig in ihrem konsequenten Kampf fuer Werte von wahrer Demokratie, die weit ueber die in Europa hinaus geht.

Der deutsche Staat hat gerade einen Deal mit der faschistischen Tuerkei beschlossen. Unter der jetzigen Situation begeht Merkel damit ein Kriegsverbrechen und einen Bruch mit der Menschlichkeit. Wir muessen die Wichtigkeit des Kampfes in Kurdistan wahrnehmen und gerade jetzt, in Zeiten des Demokratieverfalles weltweit, alles in unserer Kraft stehende tun.

Ein schoenes Leben muss selbst entschieden werden.

Die Solidaritaet staerkt uns gegen Unterdrueckung.

Zur Verhaftung von vier unserer Mitreisenden

Pressemitteilung des Verbandes der Studierenden aus Kurdistan e.V. (YXK),  22.03.2016

Gestern wurden auf dem Rückweg von den Newroz Feierlichkeiten in Amed/Diyarbakir vier Teilnehmer der Newroz Delegation der YXK (Verband der Studierenden aus Kurdistan) vorübergehend festgenommen. Erst durch Druck der deutschen Botschaft, Anwälten vor Ort und in Deutschland konnte die Freilassung noch am gleichen Abend erwirkt werden.

Die Festgenommen wurde von der türkischen Polizei als Agenten beschimpft, geschlagen und bespuckt. Ihnen wurden türkische Märsche und Gebetsrufe vorgespielt und eine Teilnehmerin wurde wegen ihrer kurdischen Herkunft besonders angegangen.

Die diesjährigen Newroz Feierlichkeiten wurden, bis auf die Feier in Amed, vom türkischen Staat überall verboten und waren schwerer Repression ausgesetzt. Seit Monaten geht der türkische Staat massiv gegen die kurdische Zivilbevölkerung vor, zuletzt mehrten sich Berichte über einen Giftgaseinsatz mit mehr als 40 Toten in Gever/Yüksekova. Alle, die versuchen dieses Vorgehen öffentlich zu machen, werden festgenommen oder ausgewiesen, wie zuletzt die vier Teilnehmerinnen einer Menschenrechtsdelegation aus Hamburg, die ebenfalls auf dem Weg nach Amed bei einem Zwischenhalt des Flugzeugs in Antalya zunächst in Gewahrsam genommen und später nach Deutschland zurückgeschickt wurden.

Interview mit einer Betroffenen in der jungen Welt

Redaktioneller Hinweis

Liebe Genoss*Innen,

wie euch bereits aufgefallen sein wird, ist die Frequenz unserer Veröffentlichungen etwas niedrig. Dies ist nicht einem zu geringen Input, sondern den widrigen Umständen geschuldet.

Wir bitten dies zu entschuldigen und hoffen (auch weiterhin) auf rege Leser*Innenzahlen.

Şevbaş hevalno.