Gedächtnisprotokoll einer Einreiseverweigerung einiger Genoss*Innen

Vier Teilnehmerinnen der Newroz-Delegation wurden am 17.03.2016 auf dem Weg nach Amed (Diyarbakir) von der türkischen Staatspolizei aufgehalten.

Wir sind am Flughafen von Antalya, wo wir am Donnerstagmorgen einen Anschlussflug nach Amed (Diyarbakir) nehmen wollten, von der türkischen Polizei und dem Grenzschutz festgenommen und mit einem Einreiseverbot belegt worden.

Dies scheint weniger einem Zufall geschuldet, als vielmehr geplant gewesen zu sein. Schon als wir das Flugzeug verließen, wurden wir von einem grimmigen Zivilbeamten empfangen, der vorgab, uns dabei „behilflich“ zu sein, unseren Anschlussflug rechtzeitig zu erreichen. Das Ziel unserer Delegationsreise sollte eigentlich sein, die widerwärtigen Verbrechen des korrupten AKP-Regimes in Nordkurdistan zu dokumentieren und den Widerstand der Kurd*innen vor Ort persönlich mitzuerleben- stattdessen durften wir nun aus anderer Perspektive einen Einblick in das Unrechtssystems der türkischen Exekutivbehörden bekommen.

Zunächst hatten wir nur mit einem kurzen Einschüchterungsversuch gerechnet, als wir zum Verhör in die Räume der Flughafenpolizei und des türkischen Grenzschutzes geführt wurden. Unsere Personalien sollten hier ein weiteres Mal ausführlich und von etlichen Beamten der unterschiedlichen Institutionen begutachtet und überprüft werden. Jedoch blieb es nicht nur dabei. Wir wurden über die nächsten vier Stunden hinweg mit einem ausgiebigen Repertoire an Verhörtechniken konfrontiert, die darauf abzielen sollten, herauszustellen, in welcher Verbindung wir zur kurdischen Bewegung stehen und ein Eingeständnis in angeblich terroristische Umtriebe wortwörtlich aus uns herauszupressen. Sie versuchten uns mit der Rolle der guten und bösen Beamten zu manipulieren, unsere Gruppe immer wieder zu spalten und unseren solidarischen Zusammenhalt damit zu schwächen, uns mit übergriffigen Leibesvisitationen und peniblen Gepäckkontrollen zu erniedrigen und durch absurde Drohungen einzuschüchtern und zu brechen.

Ein prägnantes Beispiel eines offensichtlich frustrierten Grenzschutzbeamten, nachdem alle Versuche, ihrer Unterstellung zuspielende Informationen zu erpressen, fehlschlugen:

„Seid froh, dass ich nicht dafür zuständig bin. Ihr wollt euch lieber gar nicht vorstellen, was ich dann mit euch machen würde. Wir sind hier in der Türkei und hier gelten unsere Regeln.“

Vergeblich. Nachdem wir mit zornerfülltem Gekeife noch darauf aufmerksam gemacht wurden, dass nicht nur wir und unsere Familien, sondern auch unsere zukünftigen Kinder mit lebenslangem Einreiseverbot in die Türkei geächtet werden würden, konnten wir noch weitere zwölf Stunden in den einladenden Räumlichkeiten für Personen, denen die Einreise in türkisches Staatsgebiet nicht gestattet wird, verbringen. Kurz vor Mitternacht neigte sich unsere unfreiwillige Odyssee dem Ende, als wir mit zu einem Direkflug nach Hannover eskortiert wurden.

Hier angekommen, wurden wir ein weiteres Mal, jedoch weit oberflächlicher und nur minutenlang von etwas erstaunten deutschen Beamten vernommen, denen rigorose Ausweisungen dieser Art zur jetzigen Zeit wohl genauso überraschend vorgekommen sein mussten wie uns selbst leider auch. Es scheint, als würde das faschistische Erdogan-Regime nicht nur in Kurdistan mit aller Macht die sich auflehnenden Völker bekämpfen, sondern auch deren Unterstützer*innen wieder zunehmend ins Visier nehmen.

Es war zwar nicht überraschend, aber trotz allem beängstigend, mit welchem herablassenden Hass uns allen der türkische Staatsapparat begegnet. Doch egal, mit welchen repressiven Maßnahmen dieses faschistische System uns noch begegnet- ihr werdet uns nicht aufhalten können.

In uneingeschränkter Solidarität mit allen, die nie zu brechenden Widerstand gegen die Barbarei leisten, von der wir im Verhältnis zu dem, was sich gerade in Nordkurdistan ereignet, nur einen winzigen kleinen Vorgeschmack erhalten haben. Biji Berxwedana Rojava! Biji Azadiya Kurdistan!

Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!

Hier noch ein Link zum Bericht einer anderen Genossin zur selben Situation beim LowerClassMag

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